FC Harkorten von 1911

1911 betrat mit dem Fußball-Club Harkorten ein neuer Akteur die Bühne des Hasper Sports; die Zebras, wie der Volksmund sehr bald den neuen Verein aufgrund der schwarz-weiß gestreiften Trikots wegen nannte.

Der Fußballsport war 1911 in Haspe nichts Neues mehr. In Nachbarorten war der neue Sport bereits eingeführt, in Hagen seit 1905. Aber auch in Haspe selbst gab es bereits einen Fußballclub, der 1910 gegründet und ein Jahr später in FC Hufeisen umgetauft worden war. In der Dorfschmiede bei Heinrich Grebe war er entstanden.

Aus diesem Club entwickelte sich dann im Laufe des Jahres 1911 der FC Harkorten, der seinen Namen mit ausdrücklicher Genehmigung der Familie Liebe-Harkort führen durfte und damit seinen Heimatcharakter in schönster Weise betonte. Die Gründer: Walter Grebe, August Bock, Fritz Deutermann, Alfred Klee, Paul Steinhauer, Bechstein, Gebrüder Dirks, Hermann Kliemann, Walter Schröder, August Targan und Karl Baum. Vereinslokal war die Wirtschaft „Zur weißen Rose“ von Wilhelm Linde, später Büro der Firma Fischer und Schmidt.

Die 1. Mannschaft des FC Harkorten im Jahre 1920

Man wird sich diesen Club nicht so vorstellen wie einen Verein von heute. Der Spielbetrieb war mehr oder weniger „wild“, d.h. es wurde nicht regelmäßig um Punkte gespielt. Man traf sich gelegentlich mit befreundeten Clubs, so beispielsweise mit dem FC Himberger Heide oder Markana Hagen, aus dem sich Preußen Hagen entwickelte, und anderen, die heute längst vergessen sind. Die Kluft war zwar offiziell Schwarz-Weiß, aber es gelang in den ersten Jahren nie, die erste Mannschaft einheitlich zu kleiden. Man war froh, wenn man immer einen einwandfreien Ball hatte und auf der Nielandswiese spielen durfte.

So ging das schlecht und recht bis 1914. Der Krieg ließ das Vereinsleben erlahmen. Um 1916 lebte für kurze Zeit das Ballspielen noch einmal kurz auf. Adolf Kerkenberg, Heinrich Wiedemann und Otto Elberfeld bemühten sich besonders darum. Aber erst 1919, als der Frieden wieder normales Leben ermöglichte, fand der FC Harkorten wieder eine Grundlage, auf der er aufbauen konnte.

Ein besonderes Lob (dieses Wortspiel mag hier erlaubt sein) gebührte Bruno Lob, der nach dem ersten Weltkrieg die Jugend für den FC Harkorten alarmierte und einen neuen Spielbetrieb aufbaute. Der Verein trat dem Fußballverband bei und trug Meisterschaftsspiele in der untersten Klasse, der C-Klasse, aus.

Die "Zebras" im Jahre 1923

Der Anfang zu einem allmählichen Aufstieg war gemacht. Nach den Wirren des Krieges und den tastenden Versuchen der Gründerzeit entwuchs der Verein den Kinderschuhen und bildete bald einen festen, soliden Bestandteil des Hasper Turn- und Sportlebens, das in den zwanziger Jahren immer bunter und umfangreicher wurde. Aus dem Häuflein revolutionierender Fußballjünger in den Jahren 1910/11 entstand ein gut geleiteter Verein, dessen erste Mannschaft sich im Auf und Ab der Punktekämpfe durchaus bewährte und einen Stammplatz in der Bezirksklasse Südwestfalens sicherte. Aus der einen Mannschaft der Anfangszeit entwickelten sich vier Seniorenmannschaften, eine Altherren-Elf und acht Jugendmannschaften. Außer Fußball wurde auch Leichtathletik betrieben.

Bei den Frühjahrsläufen war in den Siegerlisten oftmals ein Harkorter Name zu finden. Erinnert sei an Martin Weißner, der ein Spezialist dieses Wettbewerbs war. Aber auch bei den leichtathletischen Kreismeisterschaften in den 30er Jahren war der FC Harkorten oft vertreten. Karl Höfinghoff wurde zweimal Titelträger über 800 und 1500m, in der Anfängerklasse gar Südwestfalenmeister. Unvergessen sind aber die harten Kämpfe, die nach dem zweiten Weltkrieg der als verschworener und daher „einseitig“ gelästerter Fußball-Club der auf leichtathletischem Gebiet weit geschulteren TGS Friesen Haspe bei den Staffelläufen „Quer durch Haspe“ lieferte. 1952 bereits Dritter in der Wertung aller Hasper Vereine, 1953 Zweiter und 1954 Sieger, das war ein stolzer Erfolg der vielseitigen Körperschulung im FC Harkorten. 1956, als der Wanderpreis des Olympia-Clubs endgültig vergeben wurde, waren dann die Turner Sieger. Aber Harkorten landete auf dem zweiten Platz – nur einen Punkt in der Gesamtwertung aller voraufgegangenen Läufe hinter dem Gewinner. Das war eine großartige Leistung und nur deshalb möglich, weil im FC Harkorten eine vorbildliche Jugendarbeit betrieben wurde, die nicht erst nach dem letzten Kriege, sondern auch schon vorher in ganz Südwestfalen bekannt und geachtet war.

Die 1. Mannschaft des FC Harkorten in der Saison 50/51

Dass die Jugend auf ihrem Spezialgebiet, dem Fußballsport, Erkleckliches leistete und zahlreiche Meistertitel im Laufe der Jahrzehnte erwarb, braucht nun eigentlich nicht mehr besonders betont werden. Es genügt festzustellen, dass neben den schönen Erfolgen der ersten Seniorenmannschaft in der Hauptsache die Leistungen der Jugend in all den Jahren den Freunden des FC Harkorten am meisten Freude bereitete. Nur ein einziger Jugendjahrgang sein als Beispiel für alle anderen erwähnt, die A-Jugend des Spieljahres 1951. Sie stand im Endspiel um die westfälische Meisterschaft und unterlag Eintracht Gelsenkirchen mit 0:1.

Hatte ursprünglich Nielandswiese als Spielplatz gedient, später der Kirmesplatz in Haspe, so schufen sich die Getreuen des Vereins in der schweren Arbeitslosenzeit, die 1929 mit der Weltwirtschaftskrise einsetzte, eine eigene Kampfbahn, den Quambusch. Es scheint geradezu ein Charakteristikum des FC Harkorten gewesen zu sein, dass erst die Not alle Kräfte alarmierte. Fast 99% aller Mitglieder waren ohne ständigen Erwerb in der Zeit damals, trotzdem arbeiteten sie freiwillig auf dem Quambusch, als gelte es, sich ein eigenes, neues Dasein aufzubauen. Rund 6.000 cbm Boden mussten bewegt werden; der Grund bestand teilweise aus Schieferfelsen. Es war wirklich eine Gemeinschaftsleistung größter Art, als nach anderthalbjähriger Tätigkeit endlich der neue Spielplatz eingeweiht werden konnte.

Während des 2. Weltkrieges wurde der Quambusch zweckentfremdet durch eine Flakstellung. Erst 1947 konnte die Kampfbahn wieder benutzt werden. In der Zwischenzeit spielte FC Harkorten dank der Freundschaft mit dem TuS Vogelsang auf dem Platz an der Vogelsanger Post.

Diese kurze Übersicht über die Geschichte des FC Harkorten wäre unvollständig, wenn nicht auch die verschiedenen Versuche geschildert würden, den Club im Sinne einer größeren Sportgemeinschaft ganz Haspes zu erweitern. Eine Vereinigung der Brudervereine Harkorten und Union ist im Laufe der Jahre mehrfach geplant gewesen. 1927 war es fast so weit, aber damals scheiterte das lobenswerte Bemühen dann doch wieder. Auch die Zwangsehe mit Jahn Westerbauer im Jahre 1933 war nicht von langer Dauer. Der neugebildete Verein trug den Namen TuS Jahn Harkorten von 1886. Im Lokal Quambusch auf der Kipper fand seinerzeit der Zusammenschluss statt. Walter Thamer war der Vereinsführer, scheiterte aber an der inneren Opposition. Die Turner-Fußballer-Ehe hielt nur ein einziges Jahr, dann wurde sie wieder geschieden.

Die 1. Mannschaft des FC Harkorten im Jahre 1955

Als dann aber am 21. Januar 1956 in der Jahreshauptversammlung bei Thamer die Frage nach einer Konzentration der Kräfte im Hasper Sport erneut gestellt wurde und eine Empfehlung der Interessengemeinschaft Hasper Turn- und Sportvereine vorlag, gab es einhellige und spontane Zustimmung. Gedacht war zunächst an den Zusammenschluss aller Vereine. Träger des Vereinigungsgedankens aber waren in erster Linie die Fußballvereine, obwohl gerade sie oftmals unter einem starken Vereinsegoismus gelitten hatten.

Die Harkorter brachten in die neue Ehe über 400 Mitglieder, ein gutes Dutzend Mannschaften, eine eigene Vereinsanlage, viel Idealismus und frischen Mut mit.

FC Union von 1912

Wie in Vogelsang und um das Haus Harkorten herum, so entwickelte sich der Fußballsport auch im Stadtkern von Haspe um 1912 – zunächst in Form von Straßenclubs. Junge Burschen, die vorher meist Faustball und Schlagball gespielt hatten, entdeckten nun ihre Liebe zum Fußball. An der Tillmannstraße, auf dem „Eisplatz“ hinter der Heubingschule, auf der Wiese hinter dem Rathaus, in der Gerichtstraße – überall wurde Fußball gespielt.

Zwei junge Männer hatten die Führung: Fritz Engel und Eugen Menn, der später unter dem Namen „Lustiger Eugen“ einer der bekanntesten Hagener Wirte werden sollte. Diese beiden gründeten in den Sommerferien 1912 den Fußball-Club Union Haspe: Vereinsfarben Grün und Weiß, weiße Hose, grün-weiß gestreiftes Hemd. Gespielt wurde auf dem „Eisplatz“. Vorstand und Vereinslokal gab es zunächst nicht, aber eine prächtige Kameradschaft.

A-Liga-Meister Union Haspe im Jahr 1922

Hier die allerersten Kanonen des FC Union: Fr. Menn, Timmerbeul, Blase, Prinz, W. Meyer, Fr. Engel, Euteneuer, Eberhardt, Martens, Adrian, H. Harder.

Der erste Vorstand wurde 1913 gewählt. Die Sache bekam Hand und Fuß: Franz Menn, Vorsitzender; Fritz Engel, Schriftführer; Otto Timmerbeul, Gerätewart; Werner Meyer, Kassierer; alle zugleich auch aktive Spieler, eine Selbstverständlichkeit. Einen Vereinswirt gab es noch nicht. Die jungen Unioner hatten zunächst keine Bleibe. Aber das änderte sich im Laufe der Zeit.

Das erste größere Fußballspiel fand am 2. November 1913 auf dem Platz hinter der Heubingschule zwischen Union Haspe und dem SSV 04 Elberfeld statt. Es gab ein 2:2. Die Hasper Zeitung berichtete sogar darüber, auch über spätere Spiele gegen FC Neheim-Hüsten und Teutonia Gevelsberg. Offenbar hatte der FC Union damals gute Beziehungen zu Vereinen des Westdeutschen Spielverbandes. Demzufolge war wohl auch sein Sportbetrieb amtlicherseits anerkannt, denn er erhielt die Erlaubnis, sonntags zwischen 14 und 18 Uhr auf dem Marktplatz zu spielen, sofern der Platz nicht zu anderen Zwecken gebraucht wurde. Die Umkleideräume in der nahegelegenen Turnhalle durften die Fußballer jedoch nicht benutzen. Soweit ging die Liebe nicht; sie waren eben doch noch nicht ganz gesellschaftsfähig.

Auf dem Marktplatz entstand  trotzdem ein ziemlich lebhafter Spielbetrieb, der erst im Weltkriege 1914/18 entscheidend gestört wurde, obwohl sich damals besonders Peter Gatz große Mühe gab, auch im Kriege immer wieder neue Mannschaften aufzustellen. 1917 war es damit aber aus. Bei Gößling am Heubing sammelte sich der Rest des FC Union wenigstens in kameradschaftlicher Runde.

Aus dem Kriege kehrten 17 junge Unioner nicht mehr zurück, darunter auch der Vereinsbegründer Fritz Engel. Aber Werner Meyer, Peter Gatz, Wilhelm Scheidt, Ernst Feldhaus, August Blase und Otto Timmerbeul sorgten dafür, dass im Club wieder neues Leben aufblühte. Offiziell nun zum Westdeutschen Spielverband gehörend, gewann die erste Mannschaft bald gutes Format, vornehmlich durch den aus Hannover kommenden Mittelläufer Rabe, der auch viel Organisationstalent besaß und später sogar 1. Vorsitzender wurde.

Union Haspe und Wilhelmina Voruuit Amsterdam 1923

Die neue Mannschaft bestand aus Schlappach, Nehm, Steinhauer, A. Steffens, Rabe, Peis, Klee, Stich, Huth, Meyer und Blase; sie errang die Meisterschaft der untersten Klasse und stieg im Frühjahr 1920 in die B-Klasse auf. Kurz vorher wurde vor 4.000 Zuschauern das erste internationale Freundschaftsspiel gegen Wilhelmina-Vooruit Amsterdam ausgetragen und 13:2 gewonnen. In etwas geänderter Aufstellung; Wessel, Braselmann, Feldhaus und Schüßler wirkten nun mit, erreichte Union anschließend auch in der B-Klasse die Spitze, wurde aber durch eine Entscheidung am grünen Tisch um die Meisterschaft gebracht. Dennoch stieg die Mannschaft zur A-Klasse auf. In zwei Jahren um zwei Stufen höher, das war ein schöner Erfolg des Verbandsneulings. Es kam aber noch besser.

In einem Siegeslauf sondergleichen gelang Union 1922 auch die Meisterschaft der A-Klasse und damit der Aufstieg in die Liga. Das war Veranlassung für ganz Haspe, sich an dem nun folgenden Siegerfest zu beteiligen.

Die siegreiche Meister-Mannschaft wurde nach dem letzten entscheidenden Kampf in Eilpe mit Musik eingeholt. Im Wagnerschen Saal in der Tillmannstraße wurde begeistert gefeiert. Es lässt sich denken, dass der Verein nun großen Zulauf hatte und nicht mehr in der Lage war, seinen Spielbetrieb auf dem Kirmesplatz einwandfrei abzuwickeln. Der Ruf nach einer neuen Kampfbahn war allgemein. Aber vorerst wurde daraus nichts.

Eine Leichtathletikabteilung bildete sich, die 1922 bei verschiedenen Sportfesten antrat und auch gegen den Hasper TV von 1860 einen Staffelvergleichskampf austrug, der nur knapp verloren wurde. 1923 richtete der Verein den Frühjahrswaldlauf des Gaues Hagen im Stadtwald aus.

Die Blütezeit von Union hielt bis 1926 an. Dann trat plötzlich eine Krise ein. Viele Mitglieder traten aus. Mehrere Abteilungen lösten sich auf; so verließen bis auf den alten Kämpen Anton Huth alle Leichtathleten den Club. Auch die Fußballer hatten ein schwarzes Jahr. Vereinigungsbestrebungen mit dem FC Harkorten scheiterten.

Erst das Jahr 1928 brachte eine Wendung. Ein Aufruf in der Hasper Zeitung zur Sammlung aller alten Unioner hatte Erfolg. Die Alte Herren-Elf fand sich wieder zusammen. Die erste Mannschaft wurde wieder besser. Der Spielbetrieb wurde zeitweise zum Freiheitsplatz im Stadtwald verlegt. 1929 kam Willy Nehm aus Brasilien zu Besuch. Er inszenierte ein Treffen „alte gegen junge Unioner“.

Der Tiefstand war überwunden. In der Spielzeit 1929/30 landete die erste Mannschaft auf dem zweiten Tabellenplatz; zahlreiche gute Gegner waren auch privat in Haspe zu Gast. Die Zuschauer kamen wieder in hellen Scharen. Es war wieder was los bei Union. 1931 verfügte die Fußballabteilung über einen Mitgliederandrang wie noch nie zuvor. Der Unternehmungsgeist blieb nicht auf das sportliche Geschehen beschränkt. Die Vereinsleitung griff nun auch das früher schon oft diskutierte Thema „Eigene Platzanlage“ wieder auf. Vorsitzender August Müschenborn und sein Kassierer Werner Meyer machten gleich ganze Sache; sie mieteten für Union ein Waldgelände oberhalb des Stadtwaldrestaurants „Im Kursbrink“ zunächst einmal für zehn Jahre. Mit eigener Hand verwandelten die Mitglieder des FC Union, meist waren sie erwerbslos wie viele Millionen andere Deutsche in jener Zeit auch, das Waldstück in einen Sportplatz. Gönner, vor allem die Leitung der Klöckner-Werke, halfen finanziell mit. Dennoch mussten Schulden gemacht werden. Aber Union ließ nicht locker. Obwohl der Platz erst im Mai 1933 eingeweiht werden konnte und vorher meist auf fremden Plätzen die größeren Fußballkämpfe ausgetragen werden mussten, war die Kameradschaft im Verein ungebrochen, die Tatkraft groß.

Als mit der Einweihung des neuen Platzes am Kursbrink vom 15. bis 22. Mai 1933 eine Sportwerbewoche veranstaltet wurde, erreichte die Geschichte des Vereins einen stolzen Höhepunkt. Von allen Seiten, nicht zuletzt auch von den Behörden und Verbänden, wurde der FC Union beglückwünscht. Der Union-Geist wurde zum geflügelten Wort im internen Kreise.

Diese Zeit des Platzneubaues und des allgemeinen Wiederaufstiegs wird für immer und vor allem mit dem Namen Wilhelm Scheidt verbunden bleiben, der 1932 das Vereinsschiff als Kapitän übernahm und 21 Jahre mit Hingabe sondergleichen für Union tätig war.

FC Union tagte nun wieder regelmäßig in der alten Traditions-Gaststätte Gößling am Heubing. Als im August des wirtschaftlich und politisch allgemein so düsteren Jahres 1932 der Club sein 20. Stiftungsfest bei Weber-Kursbrink feierte, war das wie das Fest einer großen, auf Gedeih und Verderb miteinander verschworenen Familie.

Alles war in bester Ordnung. Da kam die Politik dazwischen. Am 4. August 1933 mussten sich der ATV 09, Hasper TK und Union durch Diktat von „oben“ zur „Turn- und Sport-Union Haspe“ zusammenschließen. Walter Westerhoff übernahm als Vereinsführer dieses Zwangsgebilde. Der Zusammenschluss war gut gemeint, aber er klappte nicht.

Nach einem Jahr trennte sich der Fußball-Club wieder von den Turnern und nahm seinen alten Namen wieder an. Seine erste Mannschaft errang dann erstmalig seit 1922 wieder eine Meisterschaft und schaffte den Aufstieg in die Bezirksklasse, der damaligen zweithöchsten Klasse Westfalens, aus der sie 1935 wieder abstiegen, aber dann unter der fachlichen Leitung „Heina“ Drewes wieder aufstieg. Das war eine Leistung, die vielleicht die größte der Union-Fußballer überhaupt war.

Als 1937 der Verein sein Silberjubiläum feierte, war er stärker als je zuvor. Ganz Haspe feierte mit. Es gab wieder eine Werbewoche, in der Fußball-, Handball- , und sogar Hockey-Kämpfe mit teilweise berühmten Mannschaften ausgetragen wurden. Zahlreiche verdiente Vorkämpfer aus dem FC Union wurden geehrt.

Die Fußballelf erreichte in der Saison 1937/38 einen hohen Leistungsstand. Beim 2:1-Sieg über den DSC Hagen auf dem Kursbrink waren 4.000 Zuschauer begeistert. Am Heubing gab es eine wohlgelungene Weihnachtsfeier der ganzen Union-Familie. Aber es blieb nicht so schön. Der Krieg warf seine Schatten voraus. Von 1939 bis 1941 schleppte sich ein improvisierter Spielbetrieb mühselig dahin. Dann erstarb alles Leben auf dem Kursbrink.

Ein halbes Jahr nach dem Zusammenbruch 1945 wurde erst wieder mit dem Neuaufbau begonnen. Zunächst unter dem Namen „TuS Haspe, Abteilung Heubing“ (Vorsitzender Fritz Lücking), später dann wieder als FC Union spielte sich die Fußballmannschaft langsam wieder in den Vordergrund. Im September 1946 lag in der neugebildeten Kreisliga die Union-Elf auf dem ersten Platz vor dem FC Harkorten, die dieser ein Jahr vorher, in der ersten Spielzeit nach dem Kriege, vor Union innegehabt hatte. Damals spielte die Mannschaft mit Romanik, Kleinschmidt I, Schleicher, Schönrock I, Flasnöcker, Richter, Medler, Schneck, Sander, Herzig und Kleinschmidt II.

Trotz aller Erfolge, es war eine bitterböse Zeit. Union überwand sie nicht zuletzt durch die Mithilfe guter Freunde zu denen auch der „Brasilianer“ Willy Nehm gehörte, der Schuhe, Trikots, Hosen, Stutzen und Bälle schickten. Mit der Währungsreform 1948 dehnte sich das Vereinsleben weiter aus. Allein fünf Fußballmannschaften des Clubs wurden Herbstmeister. Der Ersten gelang allerdings zum bösen Schluss der Aufstieg in die Bezirksklasse dann doch nicht. Immerhin hielt das Hasper Publikum den Grün-Weißen die Treue. 1949/50 reichte es nur zum achten Platz in der Tabelle. Aber es gab in dieser Saison eine kleine Sensation, als einer hauptsächlich aus Union und Harkorten gebildeten Hasper Kombination gelang, den SSV Hagen mit 3:1 zu besiegen. Union allein spielte etwas später gegen denselben Gegner auf dem Höing 0:0. Aber bei den Punktekämpfen zeigte die Union-Elf dann wieder unerwartete Schwächen. Jahr für Jahr Höhen und Tiefen, dennoch kein Aufstieg. Große Publikumserfolge waren stets die Treffen zwischen den beiden Hasper Rivalen auf dem Kursbrink und auf dem Quambusch.

Die 1. Mannschaft von Union 1956

Immer stärker festigte sich in Haspe der Gedanke: Wenn doch Union und Harkorten zusammenspielten, dann könnte daraus eine hervorragende Mannschaft werden!

In 52 Begegnungen standen sich im Laufe der Jahre die beiden Hasper Vereine gegenüber. Der letzte Kampf auf dem Quambusch in der Spielzeit 1955/56 endete unentschieden 1:1, mit genau demselben Resultat wie der vorletzte auf dem Kursbrink. Bei der Punkte-Schlussbilanz standen beide hintereinander in der Mitte der Tabelle.

Dann endlich kam die Vereinigung, über die schon so oft in den Jahren vorher gesprochen und geschrieben worden war. Die Mitgliederversammlung des FC Union stimmte keineswegs spontan dem neuen Schritt zu; es gab noch einige interne Schwierigkeiten. Schließlich siegte aber die Vernunft. Der FC Union brachte ähnlich wie der FC Harkorten einen tadellosen Sportplatz, 375 Mitglieder, 9 Mannschaften und eine gesunde Kasse mit in die Ehe. Ein neuer Abschnitt im Hasper Sportleben konnte beginnen.

Box-Sport-Club 1949

Als am 2. Oktober 1949 im Hagener Stadtteil Haspe der erste selbständige Boxsportverein entstand, war der Boxsport im Hagener Raum bereits lange bekannt. Es hatte auch weit vor dieser Zeit schon Hasper Boxer gegeben; sie konnten sich nur nicht auf einen Verein stützen. Sie gingen früher entweder nach Osten oder nach dem Westen, nach Wehringhausen oder nach Vogelsang, um dort den Faustkampf zu pflegen. Der neue Box-Sport-Club 1949 Hagen-Haspe schloss daher eine Lücke im Hasper Sport.

Der Boxsport war nach dem ersten Weltkrieg von Kriegsgefangenen aus England nach Deutschland importiert worden. Anfänglich von der Polizei verboten, setzte er sich nach 1920 bei uns schnell durch. Auch in Hagen fanden bereits 1921 die ersten öffentlichen Boxkämpfe statt, in Haspe allerdings erst zehn Jahre später. 1934 organisierte dann die aus mehreren Vereinen zusammengewachsene Hagener Sportunion Viktoria  von 1910, zu der auch die Fußballer des alten Hasper Sportvereins von 1928 zählten, in Wehringhausen mit starker Neigung nach Kückelhausen eine Box-Abteilung, der auch zahlreiche Hasper Faustkämpfer angehörten. Kurz nach dem zweiten Weltkrieg boxten dann nicht wenige Hasper, darunter auch der spätere Deutsche Profimeister Hans Kalbfell, unter der Fahne des TuS Vogelsang.

Aus den Resten all dieser Vereine und Gruppen bildete sich 1949 endlich der bodenständige Hasper Box-Sport-Club, dessen erster Vorsitzender Willi Makosch war. Als Taufpate betätigte sich bereits ein Kalbfell; Otto, der Vater des später vielgerühmten Hans; er war Geschäftsführer. 1951 kam Philipp Becker in die Führung. Die Vorgenannten und Heinrich Otto waren die Initiatoren und Motoren des Boxsportes in Haspe, der bald ein großes Publikum hinter sich hatte und den Leibesübungen im Stadtteil ganz neue Akzente verlieh.

Es zeigte sich wieder einmal, dass dieser uralte Sport, den bereits im Altertum die Ägypter, Etrusker, Griechen und Römer betrieben, der dann im 18. und 19. Jahrhundert von den Engländern nach dem Vorbild des Degen- und Florettfechtens als Faustkampf modernisiert worden war, gerade bei den zähen Ennepesträßern viele Verehrer fand, sobald er ihnen in der wünschenswerten Meisterschaft serviert wurde. Und die energischen Männer vom BSC 49 hatten dazu die nötige Geduld und Geschicklichkeit.

Leistungen konnten nur entstehen, wenn gute Trainer die Aktiven entsprechend schulten. So wurden nacheinander eingesetzt: „Ede“ Lichtenstein, der sich allerdings keinen rühmlichen Abgang aus Haspe schaffte, kurze Zeit Gustav Eder, dann Fr. Liebenkämper, H. Fischer, Hans Brauer, Werner Lieske, Gerd Cremer, G. Sommer und Freddy Lenz; die letzten beiden stammten aus den eigenen Reihen des BSC 49 bzw. HSV.

Es lag im Westen der Hasper Boxsportfreunde, dass sie Verbindung nach allen Seiten suchten und nach Vielseitigkeit strebten. Boxer können nur etwas leisten, wenn sie umfassend trainiert werden. So war es z.B. selbstverständlich, dass auch die Jugendlichen und Männer des Hasper BSC alljährlich, solange es einen Staffellauf „Quer durch Haspe“ gab, auch an diesem leichtathletischen Wettkampf teilnahmen. Oft genug ist Hans Kalbfell, auch als sein Name im deutschen Amateur-Boxsport viel galt und er mehrfacher Westfalenmeister war, als Schlussmann der Boxer durchs Ziel gelaufen. Die Boxer waren auch sofort Feuer und Flamme, als 1956 die Gespräche um die ersehnte Einigung im Hasper Sport sich immer mehr auf einen Großverein konzentrierten. Sie waren nicht unbedingt auf einen solchen Anschluss angewiesen, sie hatten gesunde Finanzen und waren auch sonst stark und selbständig. Aber sie sahen in der größeren Gemeinschaft die bessere Verwirklichung ihrer ideellen Ziele und beschlossen am 1. August 1956 einstimmig, den bereits in den Vorbesprechungen festgelegten Hasper Sportverein als dritte Säule zu stützen.

Wie immer nach Vereinigungen gab es auch bei den Boxern nach der Gründung des HSV der Mitgliederzahl nach einen kleinen Rückschritt. Hatte der BSC im Jahre 1949 mit 43 Mitgliedern begonnen, so war er Ende 1955 schon 150 Mann stark. Diese Zahl sank 1956 auf 123, stieg dann jedoch stetig, erreichte 1959, als das zehnjährige Bestehen gefeiert wurde, 172, darunter 30 Jugendliche.

Bekanntester Boxer des BSC und später HSV war mit Sicherheit Hans Kalbfell.
Er begann seine Boxerlaufbahn schon 1947 als Jugendlicher. Damals spielte er noch Handball im Turnverein Hasperbach und boxte bei Heukering am Vogelsang. In jenem Jahre wurde er bereits westfälischer Jugendmeister. Den gleichen Titel gewann er 1950, nun als Mitglied des Box-Sport-Clubs Haspe, auch bei den Senioren im Schwergewicht. 1951 kam er als Westfalenmeister, in der deutschen Endrunde bis zum dritten Platz. Deutscher Meister ist er bis zum Übertritt ins Profilager nie geworden, dafür war ihm die Distanz von drei Runden zu kurz; er war immer ein langsamer Starter, aber ungeheuer zäh

1955 wurde er Profi. Nur kurze Zeit später wurde er Deutscher Meister aller Klassen und griff sogar, wenn auch vergeblich, nach der europäischen Krone. In unvergesslichen Titelkämpfen gegen den Engländer Richardson verlor er zweimal in der ausverkauften Dortmunder Westfalenhalle. Es versteht sich am Rande, dass der Hasper Sportverein zu solchen Anlässen stets mit einem Großaufgebot in der Westfalenhalle vertreten war und seinen „Hansi“ begeistert anfeuerte. Hans Kalbfell bleibt das Idol der Hasper Boxer, so wie Max Schmeling das Idol des deutschen Boxsports schlechthin bleiben wird.

Karriere-Zusammenfassung:

Kalbfell, der in seiner aktiven Zeit etwa 90 kg wog, begann 1955 mit dem Profiboxen. Im November 1956 unterlag er dem Franzosen Robert Duquesne, den er im April desselben Jahres bereits geschlagen hatte, über acht Runden nach Punkten. Wenige Monate später trat er in Essen gegen die Halbschwergewichtslegende Archie Moore in einem zehnründigen Kampf mit Max Schmeling als Ringrichter an und verlor eine weitere Punktentscheidung.

Anschließend verlor er vorzeitig gegen den Briten Dick Richardson, konnte am 14. September 1957 aber gegen Heinz Neuhaus die Deutsche Meisterschaft im Schwergewicht erringen. Daraufhin folgte jedoch eine Punktniederlage gegen Henry Cooper und der Verlust des Meistertitels an Albert Westphal durch technischen KO in der fünften Runde.

Im April 1959 gelang dann die erfolgreiche Revanche, er schlug Westphal im Rückkampf vorzeitig. Nachdem er auch den unbesiegten Italiener Mino Bozzano K.O. schlug, bekam er eine Chance um die vakante Europameisterschaft zu Kämpfen. Gegner war am 27. März 1960 in Dortmund wiederum Dick Richardson, dem er auch in der zweiten Begegnung vorzeitig unterlag.

Kalbfell schlug dann den bekannten US-Amerikaner Tommy Jackson und versuchte es 1961 ein drittes Mal gegen den Europameister Richardson. Wieder verlor er, diesmal aber nur nach Punkten. Bei Kämpfen um die deutsche Meisterschaft unterlag er dann jeweils noch einmal Westphal und Erich Schöppner und beendete anschließend seine Karriere.