Der Weg zur Einheit

Als 1860 das erste deutsche Turnfest in Coburg stattgefunden hatte und sich die deutsche Turnerschaft als gemeinsames Band aller Deutschen immer deutlicher durchsetzte, flammte die alte liberale Begeisterung wieder auf. Die Namen Jahn und Friesen erhielten neuen Glanz. Überall wuchsen Turnvereine empor.

Zu ihnen gehörte auch der Hasper Turnverein von 1860. Er war der erste Zusammenschluss von Menschen, die sich vorbehaltlos für die Leibesübungen in der damals noch kleinen Gemeinde Haspe einsetzten. Nach und nach, insbesondere nachdem 1873 Haspe zur Stadt erhoben worden war, gründeten sich weitere Turngemeinschaften an der Ennepe und am Hasperbach, so der Turnklub von 1874 und später auch Vereine in Westerbauer, in Kückelhausen, auf dem Tücking, in Hasperbach, in der Delle, auf auf der Hestert. Es bestand bereits ein vielgestaltiges turnerisches Leben, als im Jahre 1911 der erste lebensfähige Sportverein gegründet wurde, der Fußball-Club Harkorten.

Die Fußballclubs in Deutschland waren entfernte Verwandte des englischen Sports und hatten nicht nur eine andere ideologische Grundlage als die schon bestehenden Turnvereine, sondern waren auch sozilogisch in ihrer Mitgliedschaft vielfach anders zusammengesetzt, besonders um die Zeit des ersten Weltkrieges. Zwar waren die ersten Verfechter des neuen Sports hauptsächlich Studenten und höhere Schüler. Das galt aber im Wesentlichen nur für die Jahre von 1895 bis 1905. Dann bemächtigte sich auch die deutsche Arbeiterschaft der modernen Freizeitbeschäftigung Sport. Die Turnvereine mussten sich, ob sie wollten oder nicht, gleichfalls mit dieser neuen Bewegung beschäftigen. So mancher Sportverein entwickelte sich aus einer Spielabteilung eines Turnvereins. In jener Zeit gründete Turnvereine hatten nicht selten die Züge eines modernen Sportclubs. Man darf das beispielsweise auch von dem Allgemeinen Turnverein Haspe annehmen, der 1909 aus der Taufe gehoben wurde, obgleich das Jahnsche Gedankengut bei ihm bestimmend war.

Über die näheren Beweggründe, die zur Bildung des FC Harkorten führten, wird an anderer Stelle im Einzelnen berichtet. Hier sei nur festzuhalten, dass ein Jahr später schon ein zweiter Sportverein in Haspe aufkam, der FC Union von 1912, dessen Entwicklung ebenfalls besonders behandelt wird.

Der Beginn der Hasper Fußballsportbewegung in Haspe liegt im Halbdunkel. Genaue Aufzeichnungen darüber existieren nicht. Sicher ist, dass um 1905 bis 1910 die Jugend nach dem Ballspiel drängte. Zunächst aber war das aus England stammende Fußballspiel keineswegs dominierend. Die in Haspe bestehenden Turnvereine besaßen um jene Zeit neben ihren Geräteturnern und Volksturnern, wie die Leichtathleten damals genannt wurden, auch Spielabteilungen oder wenigstens Spielmannschaften. Das Schleuderballspiel, das Faustballspiel und besonders das Schlagballspiel eroberten sich die Jugendherzen. Schlagball wurde allenthalben in Haspe auch außerhalb der Vereine auf den Straßen gespielt.

In solchen Spielgemeinschaften fand dann auch der Fußball alsbald Eingang, nachdem sich in der Umgebung schon verschiedene Fußballclubs gebildet hatten. An der westlichen Grenze Haspe im Ortsteil Vogelsang gründeten einige junge Leute den Hasper Fußballclub von 1910. Es war ein sogenannter „wilder“ Verein; aber fand doch immerhin Gegner, die mit ihm zusammen Wettkämpfe austrugen. Dennoch hatte dieser Verein in der ursprünglichen Form keinen Bestand. Er änderte seinen Namen und hieß ein Jahr später FC Hufeisen, offenbar deswegen weil er in einer Schmiede von Heinrich Grebe gegründet worden war. Schließlich aber wurde aus ihm der FC Harkorten, ein Name, der nur mit der Genehmigung der Familie Liebe-Harkort geführt werden durfte.

Der FC Union entwickelte sich aus verschiedenen kleinen Schlagballclubs der unteren Tillmannstraße und auf dem Heubing sowie der Gerichtstraße (heute Swolinzkystraße). Es handelte sich also um eine Vereinigung mehrerer Gruppen und verdiente sich daher die Bezeichnung „Union“ um so mehr, als sich 1913 auch Teile des in Kückelhausen gegründeten, aber dann wieder aufgelösten FC Germania anschlossen. Erst viel später, 1928, bildete sich in Kückelhausen noch einmal wieder ein Fußballclub, der sich Hasper Sportverein nannte, aber keinen langen Bestand hatte. Schon in jenen Jahren, um 1925 bis 1930, kam der Gedanke einer Vereinigung zwischen Harkorten und Union auf; er wurde aber zuletzt von den Mitgliedern doch immer wieder verworfen. Die Zeit war noch nicht reif für einen solchen Zusammenschluss.


Erst 1956 kam das zusammen, was zusammengehörte. Als 1955 eine gemeinsame Auswahl aus FC Harkorten und der FC Union den damals übermächtig erscheinenen SSV Hagen mit 3:1 schlug, wurde die Fusion der beiden starken Hasper Fußballvereine vollzogen. Als dritter Partner wurde der Box-Sport-Club Haspe hinzugezogen.